Wolle in der Butia da besch in Ardez

Schafwollladen Butia da besch

In der „Butia da besch“, im Kern des Unterengadiner Dorfes Ardez, verarbeiten und verkaufen elf Frauen liebevoll gearbeitete Kunsthandwerke aus Schafwolle einheimischer Bauern. Dadurch trägt die Wolle wieder dazu bei, dass sich die Handwerkerinnen einen wichtigen Zusatzverdienst erwirtschaften können.

Die Schafhaltung hat eine lange Tradition im Unterengadin. In Ardez werden heute 600 Schafe gehalten, das ist mehr, als das Dorf Einwohner hat. Und wenn all diese Tiere geschoren werden, fällt ein riesiger Berg Wolle an. Wolle, die bisher aus dem Dorf abtransportiert und zu Isolationsmaterial verarbeitet wurde. Der Ertrag der Schafbauern war dabei verschwindend klein. Claudia Janett, die mit ihrem Mann Men selber rund 30 Engadinerschafe hält, wollte das nicht länger hinnehmen. Janetts wohnen im Dorfkern von Ardez, und der Zufall wollte es, dass gleich neben ihrem Haus ein Ladenlokal leer stand. „Besucher machten oft eine kurze Rast auf dem Platz und schauten ins leere Schaufenster“, sagt Claudia Janett. „Ich dachte mir immer: Es ist so schade, dass hier nichts gemacht wird.“ Die Idee, beide Probleme durch ein Atelier und Verkaufslokal für Produkte aus Ardezer Schafwolle zu lösen, setzte sich in ihrem Kopf fest. „Irgendwann fasste ich den Entschluss und ging auf einige Frauen im Dorf und in der Talschaft zu, von denen ich wusste, dass sie tolle Produkte herstellen“, so Claudia Janett. Acht liessen sich von der Idee anstecken, und so mieteten sie das leerstehende Lokal und eröffneten 2009 die Butia da besch.

Das Projekt in Kürze

  • Nominiert 2013
  • Schafwollladen
  • Zusatzerwerb für elf Frauen
  • Ardez/GR

Ein wichtiger Zusatzverdienst

„Der Standort mitten im Dorf ist extrem wichtig. Sehr viele Touristen sehen die Frauen im Laden arbeiten und kommen neugierig herein“, sagt Janett. Anfangs seien sie mit Produzieren kaum nachgekommen, so viele Besucher hatten Freude an einem Souvenir aus Ardezer Wolle. „Die Handwerkerinnen wussten auch gar nicht, wie viel ihre Kunstwerke wert waren und verlangten viel zu wenig. Heute haben sie ein besseres Gefühl, damit ist auch die Wertschätzung für die eigene Arbeit gestiegen.“ Die Frauen, viele sind selber Schafbäuerinnen, legen die Preise für ihre Produkte selber fest, und für viele bildet das Einkommen aus der Butia da besch ein wichtiger Zusatzverdienst. „Mittlerweile arbeiten elf Frauen von 30 bis 88 Jahren mit, und wir konnten den Stundenlohn stetig erhöhen“, freut sich Claudia Janett, „Mir war von Anfang an wichtig, dass der Laden nicht nur ein Hobby ist, sondern auch wirklich etwas zum Auskommen der Beteiligten beiträgt.“

Vom Schafwollduvet bis zum Filzzwerg

Die hergestellten Produkte sind vielfältig, und jede Handwerkerin beteiligt sich da, wo ihre Stärke liegt. Es wird gestrickt, genäht, gefilzt und gewoben. Daraus entstehen wunderschöne Mützen, kuschlige Duvets oder verwunschene Feen. Claudia Janett ist es besonders wichtig, dass alle Kolleginnen sich immer wieder weiterbilden und dass pro Jahr mindestens ein neues Produkt entwickelt wird. „Ich möchte gerne à jour sein, dazu hole ich mir auch Hilfe und Inspiration von aussen“, so Janett, „Zusammen mit einer Freundin, die Textildesignerin ist, entstand der Entwurf für eine wetterfeste, warme und kuschlige Jacke, die wir aus einem eigens angefertigten Stoff herstellen. Dieser besteht aussen aus Schafwolle und innen aus Merinowolle. Er ist somit robust, warm und trotzdem weich.“ Ein grosser Traum von Claudia wäre es, die Schafwollduvets weiterzuentwickeln. „Wir sind weit und breit die einzigen, die Duvets aus Schafwolle herstellen. Ich würde gerne ein Lokal zumieten und ein Kompetenzzentrum für Schafwollduvets einrichten“, schwärmt sie. „Touristen und Einheimische könnten sich dann bei uns ihre Schafwolldecken selber nähen.“ Durch die Butia da besch hat sich in Ardez einiges verändert. Das Dorf hat durch den Laden an Attraktivität gewonnen und mit einem Teil der Schafwolle bleibt nun auch die Wertschöpfung in der Region. Besucher freuen sich über ein Souvenir aus dem Engadin, und die Handwerkerinnen erwirtschaften einen wichtigen Nebenverdienst. Zudem bleibt altes Handwerkswissen erhalten und wird weiterentwickelt. Aus den elf Frauen ist ein eingeschworenes Team geworden, das mit Eigeninitiative und Tatendrang noch viel vorhat.

Bilder: Butia da besch

Erschienen im Juli 2013

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