dolceperla gioielli
Handgemachte Schmuckunikate aus dem Herzen des Puschlavs
Handgemachte Schmuckunikate aus dem Herzen des Puschlavs
Vorsichtig schiebt Enea Rinaldi mit einer kleinen Pipette einen Rubin in die Fassung eines Goldrings. «Es ist ein Spezialauftrag einer Kundin. Sie besass die Steine und wollte sie zu einem Schmuckstück umwandeln», sagt der gelernte Goldschmid. «Wir haben ihr einen Ring vorgeschlagen. Dank Computersimulationen und 3D-Druck konnten wir das Design exakt an ihre Wünsche anpassen». Der Ring wird ein weiteres von hunderten von Unikaten sein, welches bald die Werkstatt von dolceperla verlassen wird. Der kleine Handwerksbetrieb stellt Ketten, Ohr- und Fingerringe aus Edelsteinen und Edelmetallen her und verkauft sie auch gleich vor Ort und in St. Moritz. Der Laden in St. Moritz eröffnete Michela unter anderem, um dem Atelier und der Werkstatt in Poschiavo Arbeit zu garantieren.
«Echten, individuellen und bezahlbaren Schmuck für jede Frau herzustellen, war von Anfang an mein Ziel», sagt die Gründerin Michela Paganini. 2006 hatte die damalige Handarbeits- und Werklehrerin begonnen, in ihrer freien Zeit Halsketten aus Perlen zu kreieren. Der Erfolg kam rasch: «Zwei Jahre später hatte ich so viel Arbeit, dass ich mich entscheiden musste: entweder Schule oder Schmuckkreation.» Der Entscheid zugunsten der neuen Leidenschaft fiel rasch. Um diese auf eine fundierte Basis zu stellen, absolvierte Michela eine Fachausbildung bei der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft, einem weltweit führenden Institut für Edelsteinkunde. «Mit dem Entscheid für den Schmuck war auch klar, dass ich einen Laden brauche», sagt Michela. Auf der Suche nach einem Lokal stiess die gebürtige Puschlaverin auf ein schmales Eckhaus mitten im Dorfkern von Poschiavo. Hier, in einem historischen Haus, eröffnete sie 2008 als Mieterin ihr Geschäft auf rund 15 Quadratmetern. Zwei Teilzeitmitarbeiterinnen wagten zusammen mit ihr den Start, eine von ihnen ist bis heute Teil des Teams. Kette um Kette fanden die Schmuckstücke neue Besitzerinnen – die meisten stammen aus der Region. «Jedes Mal, wenn ich den Laden von dolceperla betrete, dann fühle ich mich gleich wie Zuhause. Und ich weiss, dass Michela mir für meinen Typ passend wunderbare Empfehlungen gibt», sagt die Stammkundin Sabina Paganini aus Poschiavo.
Jury-Mitglied Peter Niederer
Inzwischen besteht der Schmuck längst nicht mehr nur aus aufgereihten Perlen und anderen Ketten. Denn vor zehn Jahren bot Enea Rinaldi als Veltliner Goldschmied in der dritten Generation seine Mitarbeit an. Michela hatte etwa zeitgleich das Gebäude erwerben können. Mit Eneas tatkräftiger Unterstützung wurde den hinteren Teil des Erdgeschosses renoviert. Entstanden ist eine moderne, auf Einzelanfertigungen ausgerichtete Goldschmiedewerkstatt. So startete ein neues Kapitel von dolceperla: Gold, Silber und andere Edelmetalle hielten Einzug in die Kollektionen. Und längst spielen neben Perlen auch viele andere Edelsteine eine grosse Rolle. So auch eine lokale Schönheit: die Nephrit-Jade. Ein milchig-hellgrüner Halbedelstein, den es in der Schweiz nur an zwei Orten gibt: im Wallis und im Puschlav. Den harten Stein zu bearbeiten braucht viel Ausdauer und Fingerspitzengefühl. Beides bringt der einheimische Geigenbauer Francesco Cortesi mit. In mehreren Arbeitsschritten entstehen bei ihm aus groben Jadestücken Herzen, Kugeln oder andere Objekte. Einmal in Form geschliffen, lässt Goldschmid Enea daraus feingliedrige Ohrringe und Kettenanhänger entstehen: «Wenn ich mich in kleinste Details vertiefen kann und Zeit bekomme, sorgfältig zu arbeiten, dann ist das für mich das Schönste».
Dieser Jadeschmuck fiel Bettina Plattner-Gerber auf. Als Eigentümerin des Hotel Maistra 160 in Pontresina hatte auch sie viel Nephrit-Jade verbauen lassen. «Zusammen mit Michela haben wir eine spezielle Kollektion entwickelt, die es nur bei uns zu kaufen gibt», sagt sie, «und seit einiger Zeit bieten wir unseren Gästen in Zusammenarbeit mit dolceperla auch Exkursionen zu Jade-Fundstätten an. Die Steine können sie anschliessend bei Francesco Cortesi schleifen lassen. Das kommt sehr gut an.» So schliesst sich für Michela ein Kreis. «Die enge Verbindung zur Natur und zur Geschichte Poschiavos liegen mir sehr am Herzen», sagt die begeisterte Wanderin. Wann immer sie kann, geht sie auf eine Tour in die Bergen um ihr Heimatdorf, um den Kopf zu lüften und nicht selten, um mit neuen Ideen zurückzukommen.