Stoos Lodge

Modernes Hotel und Dorfzentrum zugleich

In der Stoos Lodge treffen Skifahrer und Wanderer auf Geschäftsreisende, Familien und Dorfbewohner beim Feierabendbier: Das im Jahr 2022 eröffnete Hotel schafft den Spagat zwischen den Bedürfnissen einer internationalen Kundschaft und jenen der Einheimischen. Dank der engen Zusammenarbeit mit der benachbarten Stoosbahn gelingt es zudem, das Hotel klimaneutral zu heizen.

Das Projekt in Kürze

  • Hotelbetrieb, Kindertagesstätte, Restaurant & Bar, Seminarbetrieb, Sauna & Fitness
  • 60 Angestellte
  • Stoos/SZ

Stoos: Viele denken beim Namen an die steilste Standseilbahn der Welt oder an ein familienfreundliches Skigebiet. Doch für einige ist es ihre Heimat. Rund 150 Menschen leben ganzjährig im Dorf auf rund 1320 m ü. M. – auf einer sonnigen Terrasse über dem Muotathal. Eine Schule gibt es, einen Dorfladen, mehrere Beizen. Doch ein wirkliches Dorfzentrum mit Anlässen und Konzerten fehlte. Bis die Stoos Lodge gebaut wurde. «Unser Ziel war von Anfang an, ein Hotel für alle zu sein. Auch wenn das Hotel modern ist, wollen wir, dass sich alle hier wohlfühlen», sagt Hoteldirektor Dominik Lichtenhahn. Am Anfang sei es nicht einfach gewesen, die Dorfbewohner von der Stoos Lodge zu überzeugen. «Uns war wichtig, von Beginn an einen echten Mehrwert für die Einheimischen zu schaffen. Deshalb organisierten wir kostenlose Konzerte und Veranstaltungen, die für alle zugänglich waren.» Das alles wirkte. Seit dem Start vor vier Jahren hat sich die Stoos Lodge zu einem lebendigen Treffpunkt für die «Stöösler» entwickelt.

Spagat zwischen Tagestouristen, Hotelgästen und Einheimischen

Die Stoos Lodge kann in 101 Zimmern bis zu 245 Übernachtungsgäste beherbergen. An einem Februarabend kann es dann in der Lounge sehr voll werden. «Dann treffen Wintersportler in Vollmontur auf Hotelgäste beim Apéro oder Ansässige beim Feierabendbier; und dazwischen wuseln etliche Kinder herum», sagt Dominik. Genau das Durcheinander sei gewollt, auch wenn es für das Personal eine echte Herausforderung sei. Doch es gibt auch ganz ruhige Momente. Wenn zum Beispiel Barbara Elsener ihre wöchentliche Yogastunde im Dachgeschoss abhält: «Das Hotel stellt uns den Raum gratis zur Verfügung», sagt die Mittfünfzigerin, «das macht es möglich, die Stunde sehr günstig anzubieten.» Zum Yoga kommen vor allem Einheimische, aber manchmal auch Hotelgäste. «Danach gehen wir oft noch etwas zusammen trinken. Über diesen Austausch freuen sich alle.» Der Austausch beginnt inzwischen auch bei den Kleinsten: Denn die Stoos Lodge betreibt im Erdgeschoss auch eine eigene Kita – für die Kinder der Mitarbeitenden aus rund 30 Nationen und für Familien aus dem Dorf und dem Talkessel. Die Räume wurden schon bei der Planung für die Kleinsten eingerichtet. «Wenn ich tagsüber eine kurze Verschnaufpause brauche, dann komme ich einfach kurz hierher», sagt der 32-jährige Hoteldirektor. «Die Kinder stecken einen mit ihrer Freude und Unbeschwertheit an. Danach geht man mit neuer Energie zurück an die Arbeit.»

  • «Die Stoos Lodge lebt den selbstauferlegten Grundsatz des Vernetzens auf vorbildlichste Weise. So gelingt es ihr, sowohl eine internationale Kundschaft erfolgreich anzusprechen als auch zu einem lebendigen Dorfleben beizutragen. Vor dem Hintergrund, dass die rund 150 Einheimischen an Spitzentagen bis zu 7000 Gäste begegnen, keine leichte Aufgabe.»

    Jury-Mitglied Werner Schiesser

Vernetzt statt vereinzelt

Vernetzen sei einfach das A und O für einen erfolgreichen Betrieb. «Wir arbeiten auch wo immer möglich mit lokalen Produzenten zusammen», sagt Dominik, «so zum Beispiel mit dem Berglandwirt Alois Fassbind». Auf der Alp oberhalb des Dorfes produziert dieser zusammen mit seinem Sohn Ruedi jeden Sommer bis zu sechs Tonnen Alpkäse. Davon kauft das Hotel einen grösseren Anteil direkt ab. «So nah einen Abnehmer zu haben, ist für uns sehr wertvoll», sagt Alois. Die enge Zusammenarbeit auf dem Stoos ist heute selbstverständlich. Das war nicht immer so. Im Gegensatz zu vor rund zwanzig Jahren, als die beiden Bergbahnen oft eher gegeneinander statt miteinander arbeiteten, ist die Zusammenarbeit heute beispielhaft. Bruno Lifart erlebte diesen Wandel hautnah. Als Ingenieur und Projektleiter der neuen Stoosbahn – bis heute der steilsten Standseilbahn der Welt – war er bereits in der Planungsphase ab 2010 eng mit beiden Seiten im Austausch. «Damals dachte ich: Das kann es doch nicht sein, dass man gegeneinander arbeitet. Am Ende nützt es doch allen, wenn Gäste hinaufkommen», erinnert er sich.

Bremst die Bahn, gibts Warmwasser fürs Hotel

Als der Ingenieur die Stoosbahn im Detail plante, wurde ihm schnell klar: Beim Bremsen würde viel Energie entstehen. Diese Energie liesse sich sinnvoll nutzen. Zum Beispiel für ein geplantes Hotel, das gleich neben der Bahn zu liegen käme. Bruno stiess bei den Hotelbesitzern auf offene Ohren. So entstand in Zusammenarbeit mit René Koch, dem Inhaber der Stoos Lodge, eine spezielle Warmwasser-Anlage. Mit der Energie, die beim Bremsen der Weltrekordbahn entsteht, und mit der Abwärme verschiedener Maschinen, werden das Hotel sowie dessen Warmwasser klimaneutral geheizt. Dank diesem cleveren System braucht die Stoos Lodge pro Jahr rund 41’000 Liter Heizöl weniger. Vernetzen hat sich auch im wörtlichen Sinne definitiv gelohnt.

Text und Bilder: Alexandra Rozkosny
Video: Daniel Farrèr, Filmwerft

Erschienen im Juli 2026
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