Biketrail Marbachegg

Biker sorgen für volle Gondeln im Sommer

Was aus der Not heraus entstanden ist, hat der Marbachegg im Entlebuch zu einer neuen Attraktion verholfen. Biker aus der ganzen Schweiz toben sich auf dem Flowtrail und der Jumpline aus – und sichern so das Überleben des kleinen Skigebiets.

Das Projekt in Kürze

  • Flowtrail und Jumpline
  • 13 Vollzeitstellen
  • Marbach/LU

«Wow, den letzten Sprung habe ich diesmal perfekt erwischt», sagt Raphael Stämpfli grinsend und klatscht mit seinen beiden Freunden ab. Die drei Jugendlichen steigen lebhaft diskutierend von ihren Bikes, schieben ihre Integralhelme hoch und hängen ihre Bikes an die speziellen Halterungen an den Gondeln der Marbacheggbahn. Sie haben den 3,3 Kilometer langen Flowtrail hinter sich, gespickt mit Sprüngen und Steilwandkurven. Die drei wohnen alle in der Region und kommen fast in jeder freien Minute auf die Marbachegg. «Ich finde es super, dass es gleich hier in der Nähe eine so coole Bike-Piste gibt», sagt Raphael. Oben an der Bergstation schwingen sich gleichzeitig aber auch Menschen auf ihre Bikes, die eine deutlich längere Anfahrt hatten. Die Marbachegg ist in der Biker-Szene der Deutschschweiz zu einem festen Wert geworden.

Sommerattraktion gesucht

Vor zehn Jahren sah die Zukunft für das kleine Entlebucher Skigebiet eher düster aus. Die immer weniger schneesicheren Winter machten der Sportbahnen Marbachegg AG Bauchschmerzen. «Wir mussten etwas wagen, um den Sommerbetrieb zu stärken», erinnert sich Verwaltungsratspräsident Martin Knüsel. «Vom Biken hatte keiner von uns viel Ahnung, aber wir glaubten, dass ein Flowtrail eine gute Attraktion wäre, um Familien anzuziehen.» Was die beauftragte Trailbaufirma dann aber an den Hang unter der Seilbahn zauberte, war so durchdacht und abwechslungsreich, dass schon wenige Monate nach der Eröffnung an schönen Wochenenden nicht ein paar Familien, sondern hunderte begeisterte Biker nach Marbach pilgerten.

  • «Mit dem Biketrail haben die Verantwortlichen der Bergbahnen Marbachegg nicht einfach nur eine neue Attraktion geschaffen, sondern ein komplett neues Gästesegment erschlossen. Das Schöne dabei: Bergbahnen und Landwirte ziehen gemeinsam an einem Strick.»

    Jury-Mitglied Nadine Felix

Es profitieren nicht nur die Bergbahnen

Die neuen Gäste auf Stollenpneus haben das ehemals marode Skigebiet gerettet. Nicht nur, weil jetzt auch im Sommer fleissig Tageskarten verkauft werden. Die Biker kehren im Bergrestaurant, das ebenfalls den Sportbahnen gehört, ein, einige bleiben gleich mehrere Tage und übernachten irgendwo in der Gegend, kaufen im Dorfladen ein. So hat die ganze Region etwas von den Bikern.

Dass die Planung und der Bau der Anlage ohne eine einzige Eisprache über die Bühne gegangen ist, gilt bei den Betreibern anderer Bikeparks als kleines Wunder. «Wir haben die Landbesitzer, fast alles Landwirte, von Anfang an mit ins Boot geholt», erklärt Martin Knüsel. So wurde ihnen schnell klar, dass auch sie vom Biketrail etwas haben. «Ich profitiere gleich doppelt», sagt Bergbauer Ueli Zihlmann. «Ich erhalte eine grosszügige Entschädigung für die Landnutzung, und weil ich nebenbei noch bei den Bergbahnen arbeite, bescheren mir die Biker mehr Einsatzstunden und somit einen höheren Lohn.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer
Video: Daniel Farrèr, Filmwerft

Erschienen im Juli 2026
Publikumspreis Prix Montagne
Wer soll den von der Mobiliar gestifteten Publikumspreis Prix Montagne gewinnen? Jetzt noch bis am 16. August abstimmen.
Zur Abstimmung