Yann Flück SA

Wärme aus dem Wald für die Franches-Montagnes

Holz gibt es genug in den Wäldern der Franches-Montagnes im Jura. Solches, das nicht zum Bauen taugt, noch viel mehr. Yann Flück und sein Team machen daraus direkt im Wald Holzschnitzel und verbrennen diese in eigenen Fernwärmeanlagen. So sorgen sie dafür, dass unter anderem in zwei Käsereien, einem Freibad und Spital sowie in hunderten Häusern kein Heizöl mehr verbrannt wird.

Das Projekt in Kürze

  • Holzschnitzel und Fernwärmeanlagen
  • Acht Vollzeitstellen
  • Le Noirmont/JU

«Wir bekommen CO2-neutrale Energie zu einem guten Preis und konnten erst noch die Investitionen in eine teure und unterhaltsintensive Heizung sparen», sagt Quentin Audy, Käser in der Fromagerie des Franches-Montagnes in Le Noirmont im Jura. Das viele heisse Wasser, das zur Produktion von täglich 1500 Tête-de-Moine-Käsen gebraucht wird, kommt über eine unterirdische Leitung direkt aus einem unscheinbaren Holzbau nebenan. Nur ein etwas längerer Kamin als üblich verrät, dass sich darin eine eindrückliche Heizanlage versteckt. Im Moment ist nur einer der beiden orangefarbenen Öfen in Betrieb. Durch das kleine Guckloch aus Glas kann man die Flammen lodern sehen. Gefüttert wird das Feuer vollautomatisiert mit Holzschnitzeln aus dem Silo nebenan. Nebst der Käserei sind noch zwei Schulen, eine Kirche, elf Industriebetriebe und 30 Häuser an das Fernwärmenetz angeschlossen. Eine zweite, sogar noch etwas grössere, Anlage steht fünf Kilometer entfernt in Saignelégier.

Vom Bauer zum Wärmeproduzenten

Angefangen hat alles vor knapp 20 Jahren auf einem Bauernhof in Le Noirmont. Dort merkten Yann Flück und sein Bruder Pascal, dass der elterliche Hof auf Dauer nicht beiden ein Einkommen ermöglichen wird. Also suchte Yann nach einem zweiten Standbein. Damals gerade mal gut 22-jährig, kaufte er sich einen Häcksler für an seinen Traktor und begann, im Wald aus Abfallholz Schnitzel herzustellen und diese zu verkaufen. Mit Erfolg. Heute stellen er zusammen mit seiner Frau Sophie und seinen sechs Mitarbeiter jedes Jahr 100 000 Kubikmeter Holzschnitzel her. Das spart jährlich 9.8 Millionen Liter Heizöl ein. Der Diesel, der seine Häcksler und Lastwagen verbrauchen, ist dabei bereits eingerechnet. «Weil wir so kurze Wege haben, beträgt der Anteil der grauen Energie lediglich zwei Prozent», sagt Yann Flück. Der 40-jährige achtet darauf, dass seine Schnitzel nie weiter als im Umkreis von 15 Kilometer transportiert werden müssen.

  • «Fast 10 Millionen Liter Heizöl pro Jahr einsparen, und das alles mit dem Verbrennen von Holz, das sonst einfach im Wald verrottet wäre – besser geht es nicht. Die Yann Flück SA zeigt vorbildhaft, wie man lokale Ressourcen umweltfreundlich nutzen und dabei willkommene Wertschöpfung in der Region erzielen kann.»

    Jury-Mitglied Roland Schegg

Gelegenheit beim Schopf gepackt

Die Yann Flück SA verkauft seine Holzschnitzel an verschiedene Fernwärmeverbünde und an über 100 Private. Selbst zur Fernwärmeanbieterin wurde sie 2018, als die Käserei in Le Noirmont auf Yann Flück zukam. Weil es die Mittel seiner Firma damals nicht erlaubten, eine entsprechende Heizzentrale und das Leitungsnetz selbst zu finanzieren, tat er sich mit dem Anlagenbauer Allotherm zusammen. Gemeinsam gründeten sie die Firma Franches-Montagnes Energie SA, der heute die beiden Anlagen in Le Noirmont und Saignelégier gehören. «Um das Projekt ermöglichen zu können, sind wir kurzerhand vom Berater zum Partner geworden», lacht Projektleiter Christian Bieri. «Aber das Ziel ist klar, dass die Firma mittelfristig ganz an Yann Flück übergeht.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer
Video: Daniel Farrèr, Filmwerft

Erschienen im Juli 2026
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